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Mündliche Überlieferung von Jindřich Doleček

An langen winterlichen Abenden haben sich in unserem Hause Nachbarn zusammengetroffen. Sie kamen fast täglich zu Plauderstündchen, wie man im Volksmunde bezeichnet hat, zu Gast. Wir, Kinder, haben Zwirnknöpfe bearbeitet, um einen Beitrag in die Familienkasse zu leisten. Die Mutter hat stets besorgt, dass wir unsere Arbeit sorgfältig ausführen, ansonsten würde die Ware vom Werkstattleiter nicht übernommen und müsste auf unsere Kosten nachgearbeitet werden. Bei der Arbeit hat man über Allerlei geplaudert, oft auch „gestäubt“ (in der Vater´s Sprache „lügen“). Auch Wassergeister, Irrlichter, Gespenster und ähnliche Themen waren auf der Tagesordnung. Die Männer haben dagegen über ihren Wehrdienst, über Landschaften, die sie als Soldaten durchwandert haben und über Wandergeschichten geredet. Selbstverständlich haben wir, Kinder, mit angehaltenem Atem aufmerksam zugehört. Unsere Arbeit ging um zehn Uhr nachts, nachdem auch unsere Gäste unser Haus verlassen hatten, zu Ende. Solche Abende waren uns stets zu einem Erlebnis, das wir tagstäglich mit Ungeduld erwarten haben. Die Hauptdarsteller – unsere Tagesgäste, deren narrative Begabung nie zu versagen und Vorräte an Geschichten nie auszugehen schienen: der alte Blank, der ehemalige Förster und Holzdrechsler, der alte Kristek, Werker und – als Soldat der Radetzky-Heeren – Teilnehmer der Schlachten von Padua und Mantua in den Jahren 1848 bis 1860, der alte Neugebauer, der ehemalige Werker, welcher über Geister und Diebe gerne zu reden pflegte, die alte Zuhörerin Pospíšilová, manchmal auch Familie von Kovařovic und der alte Vyhnálek aus Podměstí. Alle Akteure waren viel älter als meine Eltern und kamen sehr gerne zu uns zu Besuch.

 

Über den verzauberten Geist

 

Von den vielen Geschichten des alten Blank habe ich diejenige über einen verzauberten Geist, die unter der steinernen Brücke zu Šedivec (eine kleine Bachbrücke an der Hauptstraße aus Kyšperk nach Šedivec) hausierte, in meinen Erinnerungen behalten. Als jemand über die Brücke zu Mitternacht gegangen war, nieste der Geist und wartete auf einen „Gott segne Dich“-Wunsch (wie man seit der Pestzeit in Böhmen zu wünschen pflegte). Menschen, die an diesem Ort vorbei gegangen waren und ein Niesen gehört hatten, rannten stets geängstigt weg und beteten allerlei, weil man breit und weit geglaubt hat, dass an der Brücke gegeistert wird. Die schlimmste Zeit war es eine Stunde vor Mitternacht. Ängstliche Menschen verzichteten lieber auf ihre Brückenreise und übernachteten in Šedivec (wenngleich sie ihren Wohnsitz in Nekoř, Pastviny, Klášterec u.ä. hatten) bzw. in Kyšperk. Blank nahm sich vor, sich das Gespenst anzuschauen. Es war damals ein junger Bursche und arbeitete als Förster: Er ging mit seinem Jagdgewehr in das Gasthaus in Šedivec, trank und redete über Tagesthemen mit seinen Tischgesellen. Als eine Stunde vor Mittenacht geschlagen hatte, bezahlte er seine Zeche und erklärte sich auf die Rückreise nach Kyšperk zu begeben. Die Hausgäste und der Schankwirt haben ihn vor seiner Entscheidung gewarnt: „Sie wollen über die Steinbrücke? Sie wissen ja nicht, dass es dort geistert?“ Er soll die Steinbrücke lieber über den Wald und die Fasanerie ausweichen, es sei zwar ein etwas längerer Weg, müsse jedoch an dem Furcht einjagenden Ort nicht vorbei gehen. Einer gab sofort eine Geschichte zum Besten, die alte Hubálková aus Nekoř sei vor einer Woche eingeschüchtert davon gelaufen, nur ein intensives Beten habe sie von der Gespenstverfolgung gerettet. Die Arme hat jedoch ihr Verstand verloren. Ein anderer hat wiederum erzählt, der junge Brůna aus Pastviny sei kürzlich vorbei gegangen und konnte sich vor sicherem Tode nur mit einer Axt, die er soeben in Kyšperk kaufte, retten. Es stimme ja, er hat im Gasthaus auf Kyšperker Marktplatz etwas länger verweilt und sich Mut angetrunken, die ihm übrigens zu überleben geholfen hat. Noch ein dritter wollte über seine Erfahrungen mit dem Gespenst reden, wurde jedoch vom Blank abgewiesen: „Das war´s, Kumpel, nun gehe ich zu der Steinbrücke, habe vor selbem Luzifer keine Angst. Auf Wiedersehen“. Er setzte seinen Hut auf, hängte sein Gewehr über die Schulter und machte sich auf den Rückweg. Der Gastwirt wünschte ihm gute Reise und lud ihn an wieder vorbei zu kommen, um zu erzählen. Also trat Blank energisch und – dank gutem Branntwein – couragevoll an, nichts konnte ihn zurückhalten. Als er sich der Steinbrücke näherte, nahm sein Gewehr von der Schulter, um sich vor möglichen Attacken des Gespensts wehren zu können. Etwa 5 Meter vor der Brücke nieste es. Blank zuckte auf, ruft jedoch schlagfertig: „Gott grüßt dich für hundert Jahre und alles andere musst Du erbeten.“ Eine unbekannte Stimme erwidert: „Gott segne es, auf diesen Gruß warte ich seit hundert Jahren.“. Und keine Stimme mehr war zu hören! Blank geht weiter, es ist totenstill, nur ein Eulengeheul in der Ferne. Er kam glücklich bis nach Kyšperk. Seither verschwand das Gespenst von der Steinbrücke für immer, keiner, auch Blank selbst, konnte von ihm mehr hören. Das Gespenst hat seit hundert Jahren auf den Gruß gewartet. Inzwischen hat man vor ihm Gespenst gefürchtet und stets davongerannt. Nur Blank hat es durch seinen Gruß befreit.

Und ich, als junger Bube, vergaß jedes Mal, wenn ich unterwegs war, unter die Brücke nicht zu blicken, ob sich das Gespenst hier doch noch versteckt.


Wie der alte Kristek in Italien Krieg führte

 

Der alte Kristek erzählte wiederum ewig über seine Kriegserfahrungen in Italien, wo er zwölf Jahre unter dem General Radetzky, der Kristek´s Überlieferung nach einem seelenguten Tschechen, gekriegt hat. An einem Abend erzählte Kristek, wie man etwa 3 Wochen auf Italien tagstäglich marschiert hat (es gab keine Eisenbahn damals). Nach Eintreffen in Tirol brach eiskaltes Wetter auf, so dass Wasser im Kessel zu Eis geworden ist und konnte zum Kochen nicht gebracht werden, damit man Soldaten ihre Manage bekommen können. Die Kälte hat manche Soldaten bis zu Tränen bewegt, die an den Augen sofort erfroren haben. Soldaten, die viel geweint haben, haben Einzapfen bis zur Taille bekommen. Die Truppen sind in Tirol nicht lange geblieben und eilten in das italienische Flachland. Hier war man gut daran, es war wärmer, es gab Essen, schöne Mädel ohne Ende, so dass man keine Lust mehr an sie hatte. Die Soldaten marschierten auf Mantua. Es kam Frühling, die Sonne strahlte, Schnee im Gebirge taute und ließ die Flüsse aus den Ufern treten. Zu den Zeiten kam es zu Überschwemmungen, die so heftig waren, dass die Soldaten vierzehn Tage unter Wasser marschieren mussten und das Wasser bis zu Ohren der Pferde hin reichte. Krister erzählte, sie hatten alle Schwierigkeiten Gott sei Dank glücklich überstanden und Mantua im Sturmangriff genommen. Dank Einsatzbereitschaft der Infanterie wurde Mantua erobert und die Infanteristen wurden von General Radetzky verehrt. Kristek habe ihn persönlich gesprochen und es sei ihm Ehre gewesen.

In diesem Moment war Kristek in unseren Augen ein Held, gewann am Wert und tat uns für seine Trübsal leid. Als Kristek erzählt hatte, lächelte unser Vater stillvergnügt, jedoch wir wussten nicht warum. Erst später, als der alte Kristek schon gestorben war, sagte uns der Vater, Kristek führte uns mit seiner Geschichte über Tirol und Hochwasser an der Nase herum. Es war uns schon klar, dass niemand vierzehn Tage unter Wasser marschieren kann.

 


Wie der alte Neugebauer bei Lottospiel gewann

 

Der alte Neugebauer erzählte gerne über Geister, die zu Mitternacht auf dem Friedhof herumgingen, ihn besuchen kamen (sein Haus stand am Friedhof) und mit ihm diskutierten. Als ich ihn gefragt hatte, ob die Geister nachts auf die Fenster oder die Tür klopfen, erhielt ich die Antwort, sie steigen das Türschlüsselloch durch. Er lud mich zu einem Schlafbesuch ein, wir würden uns die Geister nachts anschauen. Ich war geängstigt und habe seine Einladung abgelehnt. Seine Nachbarn behaupteten, er sei im Kontakt mit dem Teufel, jedoch ruhte diese Behauptung eher auf Neugebauer´s Aussagen, wenn er mit anderen Leuten gesprochen hat. Auch besaß er ein Traumbuch und nahm an einer Lotterie („Lotty“, wie er Lotterie liebevoll bezeichnete) oft teil. Immer wenn er einen Traum hatte, so suchte er im Traumbuch einen solchen Vorgang aus, notierte sich die hier aufgeführte „Glückzahl“ auf ein Stück Papier und setzte darauf im Lotto. Manchmal gewann er ein Paar „Sechser“ (ein Sechser war einer tschechischen Vorkriegskrone gleich), öfter verlor er jedoch. Zu einer Zeit kam er regelmäßig morgens zu meinem Vater und fragte nach seinem Nachtstraum. Und regelmäßig erhielt er eine abschlägige Antwort. Neugebauer ließ sich jedoch nicht abhalten. Als mein Vater die Nase von ihm voll hatte, hat ihm – um seine Ruhe endlich zu haben – verärgert gesagt, er habe in seinem Traum einen Teufel auf unserem Hausdach, von seiner – Neugebauer´s      verstorbenen – Frau mit einem Besen verfolgt, springen gesehen. Neugebauer hörte sich es genau an, nahm sofort zu Hause in sein Traumbuch Einsicht und schon konnten wir ihn sehen, wie er zu der Lotto-Annahmestelle marschiert. Mein Vater stellte fest, er würde endlich seine Ruhe haben, Neugebauer würde sowieso kein Spielglück haben. Jedoch weit verfehlt, Vaters´s Vorhersage kam nicht zur Erfüllung. Im Gegenteil, erst jetzt musste er sich tagstäglich mit Neugebauer´s Fragen richtig auseinandersetzen. Neugebauer hat nämlich „Ambo“, den Lotto-Jackpot, geknackt. Wie hoch der Gewinn war, weiß ich nicht, jedoch musste jeder wissen, dass Neugebauer „auf Doleček´s Traum“ gewonnen hat. Die Leute waren neidisch und ab und zu wurde mein Vater von den Nachbarn nach seinem Traum gefragt. Und danach konnten wir nur sehen, wie sie darauf setzen laufen. Ob jemand gewonnen hat, weiß ich nicht; wenn ja, hat er nicht verraten, wenn nicht, geschweige denn.

 

Über das Gespenst am Marterl unter Mechnáč-Hügel

 

Ich erinnere mich auch, wie der alte Vyhnálek, auch ein abgefeilter Kumpel, über ein Gespenst erzählt hatte, das am Marterl unter Mechnáč-Hügel an der Straße zwischen Kyšperk und Písečná seinen Unfug treibt. Vyhnálek war in Písečná eine Kuh kaufen. Er machte ein gutes Geschäft und machte einen Besuch im Gasthaus „Zu Lipenský“, um einen  Viertelliter des sog. „Klarschnaps“ zu trinken. Es sind auch seine Bekannten vorbei gekommen und der Besuch ist etwas länger geworden. Der Gastwirt Lipenský trieb inzwischen die Kuh in eine Scheune, die zu dieser Zeit, vor der Ernte, leer war. Vyhnálek verlies das Gasthaus erheitert gegen elf Uhr Abend und marschierte, die liebe Kuh an der Kette führend, los. Sie spazierten zu Kyšperk und kamen bis zum Marterl unter Mechnáč. Es war eine sternklare Nacht, gute Sicht. Sie konnten vom Weg nicht abkommen, weil die Straße mit Baumreihen umgeben wurde. Plötzlich lief ein Hund los und bellte die Kuh an. Die erschrockene Kuh rannte – den Vyhnálek mitschleppend – davon weg. Als der Hund das erste Mal gebellt hatte, erschrak Vyhnálek, erinnerte sich an das Gespenst, bekreuzigte sich, wurde sofort nüchtern. Als die Kuh zu rennen begann, konnte er nicht nur mitlaufen, sondert überholte sie voll Schreck. So haben die beiden die Dorfscheunen von Kyšperk (diese standen dort, wo sich der Weg aus Kyšperk nach Písečná und nach Lukavice gabelt) erreicht. Sie konnten kaum Atem holen, waren jedoch froh, dass sie vor Gespenstern weggelaufen sind. Hätten sie nicht so schnell gerannt, wären sehr schlecht daran: es kam nämlich bei den Leuten herum, dass das Gespenst vom Marterl seine Opfern bis zum Tode abhetzt. Es erscheint einmal als Hund, einmal als Pferd oder sogar als Luzifer mit brennender Zunge. Als Vyhnálek seine Geschichte fertig erzählt hatte, waren wir alle erschocken. Keiner von uns wollte an diesem Ort nachts vorbei.

Später habe ich erfahren, dass Hotmar, ein Maurer, diesen Tag mit seinem Hund in Písečná war. Er hatte einen langen Arbeitstag, danach besuchte er das Gasthaus „Zu Langer“ und, weil die Maurer bekanntlich Gänseleber haben, musste eine Menge trinken. Berauscht machte er gegen zehn Abend auf den Weg nach Písečná. Als er zu dem Marterl gelangt war, setzte er sich zu Rast auf eine kleine Bank, um neue Kräfte zu sammeln. Er schlief jedoch sofort ein und ließ sich von seinem Hund bewachen. Logisch, als Vyhnálek mit seiner Kuh vorbei gekommen war, bellte er sie an. Morgen früh kamen nämlich Gendarmen vorbei, die von dem Hund ebenfalls angebellt wurden, haben einen gesehen, der sich am Marterl zu Bett machte, und weckten ihn auf. Die Gendarmen haben festgestellt, dass es der Maurer Hotmar war, ihn vernommen und nach Hause gehen lassen. Zu Hause hat er sich gerühmt, mit seinem Hund „Vořech“ am Marterl unter Mechnáč geschlafen zu haben, und nachdem diese Information öffentlich geworden war, hat man festgestellt, dass es an dem gleichen Tag passiert ist, als Vyhnálek seine Kuh aus Písečná führte

 


Der Alltag eines Schülers am Anfang des 20. Jahrhundert

 

Zwirnknöpfe hat man morgen früh vor dem Schulunterricht genäht. Ich war stets verpflichtet, eine gewisse Menge Zwirnknöpfe zu bearbeiten, und deshalb musste man regelmäßig um halb sechs aus dem Bett und bis sieben Uhr arbeiten. Von sieben bis viertel vor acht Uhr war ich mit Schulaufgaben beschäftigt und 5 vor acht bin ich in die Schule gegangen. Ich hatte den Vorteil, dass unser Haus in der Nähe des Schulgebäudes stand. Ich ging gerne zur Schule und arbeitete gerne zu Hause. Es gab nicht viel Freizeit, wie sie Kinder aus wohlhabenden Familien hatten, ich war jedoch nicht allein. Kinder wie ich waren die meisten in meiner Klasse. Sobald Schnee zu tauen begann, ist man in den Wald gegangen, um Reisig zu sammeln. Es war zwar noch etwas nass und schwer, aber es machte nichts, im Sommer hat es ausgetrocknet. Wir haben Sammelholz zu Bündeln gemacht, bedienten uns eines Strickes als Tragegurtes, und haben die Holzbündel als Tragkorb auf dem Rücken transportiert. Bereits nach dem heiligen Joseph´s Tag marschierte man regelmäßig barfuss, um das Schuhwerk nicht abzunutzen. Es ist jedoch manchmal passiert, dass Schnee oder kalter Wetter noch kam. So mussten wir die Schuhe wieder anziehen. Unser Vater kaufte immer etwas größeres Schuhwerk, das – weil es über mehrere Jahre hinaus halten musste – schonend behandeln werden musste. Ab Anfang Mai bis ich stets um vier, spätestens halb fünf Uhr morgens gleichzeitig mit meinem Vater aufgestanden. Es war noch dunkel, nachdem wir jedoch mit der Morgenwäsche und Frühstück (unsere Mutti ist stets mit aufgestanden und das Frühstück vorbereitet) fertig waren, war es schon hell und man konnte zu arbeiten beginnen. Entweder ging man in den Wald Holz sammeln (um sieben war ich wieder zu Hause) oder arbeitete man auf unserem Feldstück auf „Kopeček“ unter der Kapelle des hlg. Johann von Nepomuk. Auf dem Feld hat unsere Familie Gemüse für Haushalt und Rüben als Winterfutter für unsere zwei Ziegen angebaut. Der Boden war steinig, man musste reichlich mit Jauche düngen. Die Jauche transportierte ich in zwei alten Holzzubern auf dem steilen Abhang hinauf bis zu unserem Feld. Bevor ich in die Schule ging, musste ich mindestens 16 bis 20 Zuber hinauf tragen. Es war eine echt anstrengende Arbeit für einen Erwachsenen, geschweige denn für ein Kind im Alter von 10 bis 14 Jahren. Übrigens auch Jäten und Hacken von Gemüse und Rübe waren sehr arbeitsintensiv. Meine Mutti war mit Feldarbeiten beim Förster Vanžura beschäftigt, ihr blieb keine Zeit mehr für das Bestellen des eigenen Feldes übrig. Die Feldarbeit interessierte mich und die Anstrengung war nicht vergeblich. Unsere Rüben waren so groß, wie sie niemand breit und weit, selbst nicht in Regionen mit erster Bodenqualität, hatte.

Der Volks- und Bürgerschulleiter in Kyšperk Hr. Trejtnar nahm von uns mehrere Stück Runkelrüben und sendete sie zu einer Agrarausstellung nach Prag. Unser Produkt rangierte unter den besten. Mit der Urkunde wurde jedoch Hr. Trejtnar verehrt, da er sich – mit Mutter´s Bewilligung – als Produzent anmeldete; meine Mutter befürchtete nämlich, sie müsse als Bauer eine Gebühr zahlen.

 

Der Alltag einer derzeitigen Familie

 

Zu der Ferienzeit verrichtete ich üblicherweise Instandhaltungsarbeiten im Herrengut des Grafen Stubenberg. Es handelte sich um Instandsetzung von Wald- und Feldwegen ggf. der öffentlichen Wege, die vom Graf Stubenberg fahrbar zu halten waren. Das Steinmaterial wurde in Blocks angeliefert, wir mussten es zerkleinern. Zu einer Ferienzeit war ich nur mit Hämmern beschäftigt, von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends, wofür ich mit 4 Sechsern (80 Heller) pro Tag belohnt wurde. Es war eine mühsame Arbeit, der Bauaufseher Holeček war jedoch barmherzig und schonte uns. Eine Menge Arbeit musste jedoch geleistet werden. Als ich abends zu Hause zurückgekommen war, musste man in den Walde Holz sammeln fahren. Zu der Erntezeit hat man Getreideähren als Futter für unser Geflügel gesammelt.

Mein Vater arbeitete von früh bis in die späte Nacht; er war Schneider und arbeitete ausschließlich für Werker, d.h. zu Billigpreisen. Er hat auch Kleider repariert. Sein Verdienst konnte unsere Lebensbedarfskosten kaum decken. Mit unserer Arbeit haben wir einen Beitrag zur Minderung der Notlage geleistet. Man hat oft auf Pump gekauft und auch für ein Brot einen Kredit genommen. Ich kann mich noch erinnern, wie ungern ich Brot „Zu Faltus“ (der Kaufmann Faltus trug den Spitznamen „Chleboun“, etwas wie „Brotwucherer“) auf Pump kaufen musste. Im Geschäft „Zu Sýkora“ haben meine Eltern noch nach dem Ersten Weltkrieg Geld geschuldet. Damals hat die Schuld meine Schwester Marie beglichen. Wir waren sechs Kinder und Marie hat das meiste Geld in unsere Familie investiert. Im Gegenteil zu meiner Schwester Emilie, von der wir keine Unterstützung erwarten konnten. Alle Mädel waren als Dienstmädchen weit unterwegs, nur Emilie war ständig vom Dienst zurück und ließ sich von den Eltern unterhalten. Später hat sie sich diese Bequemlichkeit zur Gewohnheit gemacht, trat keinen Dienst an, verweigerte auch die Arbeit in einer Fabrik mit Hinweis darauf, dass sie krank sei. Sie war der „schlauste Rechner“ unter uns sechs Kindern, ließ sich lebenslang zum Nachteil der Eltern und somit der Geschwister unterhalten, die das Haushalt unterstützt haben.

 

Wie sich Obststeine in Silberlinge verwandelt haben

 

Der erste Neuman – Antonín – kam aus Kyšperk, seine Frau Lenka Malová aus einem Gasthaus in Mitrovice, in der Nachbarschaft einer Kirche. Ihre Mutter dann aus dem Gasthaus („Kapelle“ genannt) am Bahnhof in Grulich. Als Lenka noch ein junges Mädel war, hat sie an einem Tanzabend Bier im Keller gezapft. Dabei hat sie aus einem Trog eine Handvoll von Obststeinen genommen und in ihre Tasche hin gesteckt. Sie wollte sie später zerknacken, hat jedoch vergessen. Am nächsten Tag räumte ihre Mutter auf und entdeckte in der Kleidertasche ihrer Tochter nagelneue Silberlinge. Sie weckte die Tochter auf und fragte, wo sie das Geld bekommen hatte. Die Gäste werden ihre Zechen doch erst morgen bezahlen. Lenka konnte sich nur erinnern, sie habe ein Handvoll Obststeine in die Tasche gesteckt. So sind beide in den Keller gegangen und die Silberlinge rund um den Trog, wie Lenka hinein gegriffen hat, liegen gefunden. Sie fingen im Keller und am Gasthaus herum an zu graben, hatten jedoch nichts weiteres ausfindig gemacht.

 

Wassergeister

 

Zu früheren Zeiten gab es Pilgerreisen zu einer Wallfahrt nach Vambeřice. Karel Majvald aus Kunčice Nr. 68 war Sänger dabei. Man hat stets Dienstagmorgen aufgebrochen und Sonntagabend ist man zurückgekommen. Als Majvald mal wieder aus dem Haus gewesen ist und seine Frau alleine geblieben war, bekam sie angeblich den Besuch eines Wassergeistes. Als sie sich bei ihm über ihr Elend beklagte, brachte er sie in den Speicher hin und zeigte Haufen von Korn: Roggen, Gerste, Hafer, Mehl, eine Menge davon. Eines Tages lud die Majvald ihre Nachbarin Marková ein, damit sie sich das alles anschaut. Sie brachte Marková in den Speicher hin, zeigte ihr Mehlsack und Kornhaufen, jedoch Marková konnte nichts davon sehen. Kurz vor Majvald´s Rückkehr hat der Wassergeist zu ihr gesagt: „Wenn dein Mann wieder da ist, verrate ihm nichts.“ Sie ist jedoch ihrem Mann entgegen gegangen und hat ihm unterwegs alles verraten. Darauf ging Majvald zum Pfarrer, erzählte ihm alles und bekam folgenden Ratschlag: das Haus mit einer Weihkreide umkreisen und Rosenkranz beten. Als sie angeblich die letzte Ave-Maria gebetet hatten, sprang der Wassergeist von der Decke herunter und sagt: „Ich räche mich doch an euch“. Im Anschluss darauf ertrank Marková, die Nachbarin. Sie kam zu Wasser und man hat sie ertrunken gefunden.

Mein Vater pflegte oft zu sagen, seine Oma habe ich oft erzählt, den Wassergeist mit eigenen Augen zu sehen. Als sie unter einer Linde, die bis heute am Haus Nr. 54 steht, Reisig gesichelt hatte, marschierte der Wassergeist, barfuss, in einen grünen Mantel mit nassen Schößen gekleidet, einen Strick in der Hand, von „Ovčín“ herunter und setzte in den Dorf weiter fort.

 

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